Experte fordert Hepatitis-Screening für Migranten

Der Welt-Hepatitis-Tag rückt am Samstag (28. Juli) eine der gravierendsten und trotz Milliarden Betroffenen weitgehend unbeachteten Krankheiten in den Blickpunkt. Migranten müssen dabei hierzulande nach Ansicht des Experten Claus Niederau von der Deutschen Leberstiftung besonders im Fokus stehen. Beim Bundesgesundheitsministerium stößt der Vorschlag auf Ablehnung.

Zwei Drittel der bundesweit etwa 500.000 chronisch an Hepatitis B Erkrankten seien Studien zufolge im Ausland geboren, vor allem in der Türkei, sagte das Vorstandsmitglied des Vereins, der den Welt-Hepatitis-Tag in Deutschland ausrichtet.“Es besteht ein großes Risiko der Verbreitung vor allem bei Hepatitis B“, sagte Niederau. Migranten sollten daher systematisch auf eine Infektion untersucht werden. Dem Chefarzt der Inneren Medizin an den Katholischen Kliniken Oberhausen zufolge sind in Afrika bis zu 50 Prozent, in der Türkei über fünf Prozent der Gesamtbevölkerung mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert. Da die Erkrankung oft ohne Symptome verläuft, sind sich viele Menschen dem Experten zufolge gar nicht bewusst, dass sie betroffen sind.

In der Folge würden Mütter ihre Kinder und Erwachsene ihre Partner mit dem Virus infizieren, das zu Leberkrebs und Zirrhose führen kann. „Man kriegt die Krankheit nicht in den Griff, wenn man deutsche Regeln anwendet und für diese Gruppe keine eigenen Programme auflegt“, appellierte Niederau an die Gesundheitspolitik.

Ministerium widerspricht Forderung nach Hepatitis-Screening

Beim Bundesgesundheitsministerium stößt der Vorschlag auf Ablehnung. „Derzeit lässt sich keine Entwicklung erkennen, die eine Anpassung der bestehenden Präventionsmaßnahmen beziehungsweise das Einführen von Screenings erforderlich machen würde“, sagte Sprecher Roland Jopp. Seit Einführung der Meldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz im Jahr 2001 gehe die Zahl der neuen Fälle von akuter Hepatitis B zurück. Ursache sei etwa ein verbesserter Impfschutz der Bevölkerung. Der Sprecher wies auch darauf hin, dass bei einer Erkrankung an Hepatitis B der Migrationsstatus nicht erfasst wird.

Das Robert-Koch-Institut hat in der Vergangenheit auch darauf hingewiesen, dass „ein nennenswerter Teil der Fälle an chronischer Hepatitis B auf Personen entfallen, die einen Migrationshintergrund aufweisen und aus Ländern mit einer im Vergleich zu Deutschland höheren Prävalenz für Hepatitis B stammen“.
WHO beklagt längst überholte Vorurteile beim Thema Hepatitis

Die WHO beklagt beim Thema Hepatitis allgemein zu wenig Engagement der Entscheidungsträger. Trotz der „erschütternden“ Folgen einer der häufigsten und gravierendsten Krankheiten bleibe sie weitgehend unbekannt und unbehandelt. Eine große Rolle dabei spielen Scham und längst überholte Vorurteile. Fälschlicherweise würden Lebererkrankungen weiterhin automatisch mit Alkohol- oder Drogenmissbrauch in Verbindung gebracht, sagte Niederau.

Aufmerksamkeit für das Thema ist aber geboten: In Deutschland sterben laut dem Experten jährlich mehr als 5000 Menschen an Leberkrebs und etwa doppelt so viele an Zirrhose. Bis zur Hälfte der Fälle seien durch Hepatitis B und C verursacht: „Es gibt Tausende von Todesfällen, weit mehr als bei Aids.“

Weltweit werden laut der WHO eine Million Todesfälle mit einer Hepatitis-Infektion in Verbindung gebracht. Jeder zwölfte Erdenbürger leidet an chronischer Hepatitis B oder C, zwei Milliarden Menschen haben sich nach Schätzungen allein mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert. Hepatitis B und C sind für 78 Prozent aller Fälle von Leberkrebs weltweit verantwortlich. Die Hepatitis-Viren A und E werden durch verunreinigte Lebensmittel, die übrigen Krankheitsformen durch Blut oder andere Körperflüssigkeiten übertragen. Der zweite Welt-Hepatitis-Tag der WHO steht unter dem Motto „Näher als du denkst“.

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