„Einer nach dem anderen“: Stellan Skarsgård macht sie alle kalt

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Liam Neeson war gestern, jetzt geht Stellan Skarsgård auf Rachefeldzug. Nach der Ermordung seines Sohns nimmt er es mit norwegischen Drogenkönigen, japanischen Chinesen und serbischer Mafia in Gestalt von Bruno Ganz auf. Eiskalt, wortkarg und urkomisch.


Altersdiskriminierung auf der Leinwand ist auf dem Rückzug. Heute dürfen auch die Best Ager munter ballernd und mordend durch die Gegend ziehen – Liam Neeson sei es gedankt. Nun erfährt das cineastische Erfolgsmodell „Mann jenseits der 60 zieht gegen Profikiller in den Kampf“ mit Stellan Skarsgård eine großartige Neuauflage. Diesen Actionstar-Silberrücken des Programmkinos darf man sich nicht entgehen lassen.

Nils Dickman (Stellan Skarsgård) hat sich den Gewehrlauf bereits in den Mund geschoben und ist bereit, den Abzug zu drücken. Das Leben des Norwegers hat jeden Sinn verloren: Sein Sohn Ingvar wurde tot auf einer Bank gefunden, angeblich ist er an einer Überdosis gestorben. Niemand glaubt dem Vater, dass sein Sohn kein Junkie war – selbst seine Frau hat ihre Zweifel. In letzter Sekunde bekommt Nils‘ Leben doch wieder einen Sinn, als er erfährt, dass die Drogenmafia Ingvar auf dem Gewissen hat.

Ein Vater nimmt Rache

So gewissenhaft, wie Nils mit seinem Schneepflug die Straße räumt und den Verkehr aufrecht erhält, so zielstrebig macht sich der wortkarge Mann auf die Suche nach dem Mörder seines Sohns. Unbeirrbar arbeitet er sich von einem Verdächtigen zum Nächsten vor, bei Bedarf werden die Informationen aus dem Opfer herausgefoltert. Am Ende macht Nils stets kurzen Prozess: „Einer nach dem anderen“ muss dran glauben und wird kurzerhand mit Drahtmatten beschwert im Fluss entsorgt.

Als der „Graf“ (Pål Sverre Valheim Hagen) – seines Zeichens Anführer der lokalen Drogenmafia – vom Verschwinden seiner Untergebenen erfährt, hat er die Konkurrenz aus Serbien im Verdacht. Der Anzug- und Pferdeschwanzträger mit Vorliebe für Öko-Karottensaft und pinke Cupcakes lässt an einem der kriminellen Gastarbeiter ein Exempel statuieren und die Leiche an ein Straßenschild hängen. Nur leider hat sich der Graf als Opfer ausgerechnet den Sohn des serbischen Mafia-Bosses Papa (Bruno Ganz) ausgesucht. Der sinnt nun seinerseits im tief verschneiten Norden auf blutige Rache. Zwischen Nils, norwegischen und serbischen Mafiosi sowie einem japanischstämmigen Auftragskiller aus Dänemark namens „Der Chinese“ entspinnt sich ein fröhliches Gemetzel, bei dem die Frontlinien nicht immer ganz klar sind.

Bis hierhin und nicht weiter

Bei einsetzenden Winter-Depressionen ist „Einer nach dem anderen“ trotz der Schneemassen ein echter Stimmungsaufheller. Lakonisch, brutal, makaber haben Regisseur Hans Petter Moland und Drehbuchautor Kim Fupz Aakeson („Ein Mann von Welt“) ihren mörderischen Ringelreihen inszeniert, der bei der diesjährigen Berlinale im Wettbewerb lief.

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Beeindruckend ist, wie weit sich der Film an die Grenze zur Parodie wagt, ohne sie zu überschreiten und bei allem ausgereizten Humor die Figuren doch nicht der Lächerlichkeit preiszugeben. Einen Typen wie den Grafen etwa sieht man selten im Kino. Ein liebevoller Vater und Koks-König mit Hang zu unklugen Gewaltausbrüchen und makrobiotischer Ernährung, dem von der Ex-Ehefrau bei jeder sich bietenden Gelegenheit Paroli geboten wird.

Unbestrittener Held ist aber natürlich Stellan Skarsgård. Es ist eine wahre Freude, dem Charaktermimen bei seinem unethischen Treiben zuzusehen. Wie schade, dass sein Nils keine anderen Kinder hat, deren schlimmes Schicksal Anlass für weitere Rachefeldzüge bieten würden. Vielleicht könnte Skarsgård wenigstens in „Taken 4“ Liam Neesons Enkeltochter entführen. Das wäre ein wirklich sehenswerter Kampf.

„Einer nach dem anderen“ ist seit dem 20. November in den deutschen Kinos zu sehen.

Quelle: n-tv.de

(Bilder: Neue Visionen Filmverleih)

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