Dauerstudenten und Nesthocker: „Berufs-Sohn“ ist bei 500 Euro bei Jauch raus

Wer wird Millionär?

MG RTL D / Frank Hempel

“ n-tv.de“: 17 Semester für den Bachelor, 800 Euro „Taschengeld“. Das Leben könnte als Dauerstudent und Nesthocker so schön sein – wäre da nicht die mysteriöse weibliche Anatomie. Fesseln? Jauch wittert Morgenluft. Ich bin ein Preuße, holt mich hier raus.


Es war Günther Jauchs persönliche Dschungelprüfung. Dauerstudenten stehen auf der Hitliste des „Wer wird Millionär“-Moderators traditionell ganz unten. Am Montagabend war er von ihnen umzingelt. Dazu gesellten sich in dem Special Nesthocker und Männer in glänzenden Anzügen, die trotz eigenen Gehalts bei den Eltern wohnen und nicht mal den Müll rausbringen. Während die Kandidaten unbeschwert vor sich hinkicherten (für sie stand ja nichts auf dem Spiel – mangelnder Ehrgeiz und so), war Jauch von dem geballten Feindbild-Potenzial fast schachmatt gesetzt. „Ich sage mal ein irres Fremdwort: Beruf“, versuchte er Spitzen, die an den von Mama gebügelten Hemden spurlos abglitten. Aber dann ging es zum Glück endlich um weibliche Anatomie.

Damit die Dauerstudenten sich nicht sabotierten, traten für sie Verwandte oder Freunde in der Auswahlrunde an. Norbert Pany wurde von seiner guten Freundin Anna Bindl auf den heißen Stuhl gehievt. Sie findet: 800 Euro Taschengeld pro Monat müssen endlich ein Ende haben. Der 23-jährige Münchner war das Paradebeispiel der Kandidaten an diesem Abend: Vorliebe für schimmernde Stoffe, gegelte Haare und ausgestattet mit einer erstaunlichen Mischung aus Selbstvertrauen und Anspruchshaltung.

Eltern finanzieren Lebensstandard

Der Student startete sofort die Charmeoffensive. Er sei „von Beruf Sohn“ und die Eltern seien „schwerst verliebt in mich“. „Sie sorgen für meinen Lebensunterhalt und meinen Lebensstandard“, erläuterte der Anzugträger. Er hat erst einige Semester Philosophie studiert, versucht sich nun aber ganz frisch an Kommunikationswissenschaften. Zu den 800 Euro Taschengeld käme noch „Universitätsgedöns – Bücher und was weiß ich“. Jauch hatte da schon auf Durchzug geschaltet. Dann war es zum Glück endlich Zeit für die Knöchelschau.

Pany sollte für 500 Euro wissen, wo bei Frauen die Fesseln zu finden sind. Plötzlich war er ganz still. „Worauf schauen Sie denn bei einer Frau zuerst?“, fragte Jauch lustlos. „He, he, he“, entgegnete der Kandidat. Der Moderator leitete schon zum ersten Joker über, da loggte der Nesthocker plötzlich Antwort D ein. Demnach ist die Fessel zwischen Augenbraue und Oberlid zu finden. Können Sie das bei sich zeigen?, wollte Jauch noch helfen. Ein erwachsener Taschengeld-Empfänger aber ist beratungsresistent. „Ich weiß es nicht, wir nehmen jetzt D“, verlangte Pany. Jauch sah bei der Anmoderation der Werbepause so zufrieden aus wie lange nicht.

Der 23-Jährige ging also mit null Euro nach Hause. Vorgänger Malte Schulze aus Kiel (29 Jahre, 17. Semester, wohnt noch Zuhause, 500 Euro Taschengeld) kam beeindruckend glatt durch die Runden. Er war mit 64.000 Euro der Gewinner des Abends, verfehlte aber sein „Auszugsziel“ von 125.000 Euro. Ob die Mutter („Ich bin stolz auf ihn“) ihr Hotel schließt? Fraglich.

„Er ist schon sehr faul“

Auch die Mutter von Sven Mayer (25 Jahre, ausgebildeter Bankkaufmann mit rund 2000 Euro verfügbarem Einkommen, wohnt im Kinderzimmer, gibt sein Geld für sein Hobby Golffußball aus) schien insgeheim mit ihrem Schicksal ganz glücklich zu sein – trotz des Eingeständnisses „er ist schon sehr faul“. Der Kandidat aus Karlsruhe gewann 16.000 Euro, dämpfte Erwartungen („Ich muss erst mal eine Wohnung finden“), aber will mit dem Geld wohl tatsächlich den Absprung schaffen.

Gänzlich aus dem Rahmen fiel der letzte Kandidat. Fabian Kranz studiert zwar schon seit 17 Semestern, hat nächste Woche aber endlich die mündliche Abschlussprüfung. Der 28-jährige Rastalockenträger, WG-Bewohner und Skateboardfahrer aus Berlin kam im quietschgelben Bananenhemd, das farblich wunderbar zu Jauchs Krawatte passte. Als er am Ende der Sendung 16.000 Euro sicher hatte, strahlten seine Eltern im Publikum, wie man selten im deutschen Fernsehen Eltern hat strahlen sehen. „Ach guck mal, da halten die Händchen“, bemerkte Jauch. „Wir haben ja heute unseren Hochzeitstag“, erklärte die Mutter des Kandidaten. 31 Jahre ist das Paar verheiratet. Fast wirkte es, als hätte das Dauerstudenten-Spezial den Eltern einen zweiten Honeymoon beschert…

„WWM“ macht einige Wochen Pause. Die Sendung kommt am 1. April (Jauch: „Kein Witz“) zurück.

Quelle: n-tv.de (12. März 2019)

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