Attaché bis Cyberabwehr – Karriere bei der Bundeswehr: Wen sucht die Truppe?

Bild: Bundeswehr/Torsten Kraatz

Die Zeitenwende braucht Personal. Die Bundeswehr sucht dabei vor allem MINT-Absolventen, auch als Offiziere. Wir stellen Jobs und Karrieren bei der Truppe vor, inklusive Gehältern und Fachkräftebonus.


Die Bundeswehr rüstet auf. Die Ankündigung des Sondervermögens über 100 Milliarden Euro hat aber noch mal verdeutlicht: Auch in der Landesverteidigung herrscht Fachkräftemangel. Die Bundeswehr setzt im Kampf dagegen nicht nur auf die selbst fortgebildeten Soldaten. Sie will auch Talente von außen für sich gewinnen. Hochschulabsolventen der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) stehen dabei besonders hoch im Kurs, berichtet ein Sprecher der Bundeswehr in Köln: „In den letzten Jahren der Bedarf an MINT-Einstellungen in allen Bereichen stetig gestiegen.“

Wer sich als MINT-Absolvent für die Bundeswehr als Arbeitgeberin interessiert, wird wohl zunächst an einen Job als Angestellter oder Beamter denken. Die kommen bei der Bundeswehrverwaltung zum Einsatz. Dort unterstützen laut offiziellen Angaben rund 82.000 zivile Mitarbeiter die etwa 184.000 Soldaten in den unterschiedlichsten Bereichen, von der Mechatronikerin bis zum Karriereberater. Die Jobs fallen in Kategorien wie technischer, nichttechnischer oder ärztlicher Dienst.

Hochschulabsolventen können als Trainee oder bei entsprechender Qualifikation auch direkt bei der Bundeswehr starten. Mit Bachelor geschieht dies im gehobenen Dienst, der zweithöchsten Stufe des öffentlichen Dienstes. Wer einen Master hat, kann die Beamtenlaufbahn mit einem deutlich besseren Gehalt im höheren Dienst beginnen. Stellen, für die ein Hochschulabschluss verlangt werden, führen laut dem Sprecher häufiger zur Verbeamtung, handwerkliche oder gewerblich-technische Ausbildungen hingegen meist zur Einstellung als Tarifbeschäftigter.

Aus dem Stand zum Offizier

Eine militärische Karriere steht aber grundsätzlich selbst Bewerbern offen, die noch nie eine Waffe in der Hand hatten. „Auch jemand, der nicht gedient hat, kann als Offizieranwärterin oder -anwärter eingestellt werden“, erklärt der Bundeswehrsprecher. Bei entsprechendem Hochschulabschluss (Bachelor oder Master) sei auch eine direkte Einstellung als Offizier möglich. Die militärische Ausbildung wird dann nachgeholt. Wie lange das dauert, dazu machte die Bundeswehr auf Anfrage keine Angaben. Orientierungshilfe: Die Grundausbildung bei der Truppe nimmt in der Regel drei Monate in Anspruch. Sehr lange kann der militärische Teil nicht dauern, denn diese Offizierseiteneinsteiger werden meist als Soldaten auf Zeit mit einer Dienstdauer von nur mindestens drei Jahren eingestellt.

In der militärischen Laufbahn werden dem Sprecher zufolge MINT-Absolventen aus allen Bereichen gesucht, zum Beispiel aus den Studienrichtungen Maschinenbau, Bauingenieurwesen, Luft- und Raumfahrttechnik, Elektrotechnik oder Informatik. In den sogenannten wehrtechnischen Fachgebieten im zivilen Bereich bestehe hauptsächlich Bedarf an Ingenieuren und Informatikern. Laut dem Sprecher sollen in diesem Jahr 760 Nachwuchskräfte in technischen Beamtenlaufbahnen eingestellt werden. Die mit Abstand meisten Vakanzen gebe es im Fachgebiet „Informationstechnik und Elektronik (ITE)“.

Dies spiegelt sich in der Online-Jobbörse der Bundeswehr wider. Der Bedarf an militärischen Cyber-Experten scheint nach dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine zudem gestiegen zu sein. Jedenfalls waren im Juli 2022 deutlich mehr offene Stellen für Hochschulabsolventen in den Bereich IT ausgeschrieben als eigene Wochen zuvor, überwiegend mit dem Zusatz „in der Laufbahn der Offizierinnen und Offiziere“. Zu besetzen waren unter anderem diese Positionen: Cyber-IT-Spezialistin, IT-Sicherheitsexperte, Schwachstellenanalyst, Softwareentwicklerin, Netzwerkanalyst oder IT-Forensikerin. Letztere hat die Aufgabe, Cyber-Angriffe zu erkennen, einzudämmen und aufzuklären.

Voraussetzung für die hier genannten Jobs war neben dem abgeschlossenen technischen Studium und der deutschen Staatsbürgerschaft nur noch die Bereitschaft, sich bundesweit versetzen zu lassen und an Auslandseinsätzen der Bundeswehr teilzunehmen. Übrigens können auch zivile Beamte oder Tarifbeschäftigte in Krisengebieten tätig werden, wenn sie sich freiwillig melden. „Sie erhalten vor dem Einsatz eine militärische Ausbildung, sofern eine Teilnahme im Soldatenstatus erfolgt. Dann tragen auch zivile Mitarbeitende Uniform und befinden sich für den Zeitraum des Einsatzes in einem Soldatenstatus“, erklärt der Bundeswehrsprecher. Ein dauerhafter Wechsel von der zivilen in die militärische Laufbahn ist laut ihm grundsätzlich möglich, bilde allerdings eher die Ausnahme.

Das verdienen Anfänger bei der Bundeswehr

Die Spanne bei den Einstiegsgehältern für Hochschulabsolventen ist groß und hängt auch davon ab, ob ein Bewerber passende Berufspraxis mitbringt oder erst noch für die Position ausgebildet werden muss. Die Spanne beginnt laut dem Sprecher beim Oberleutnant oder dem vergleichbaren Beamten des gehobenen technischen Verwaltungsdienstes in der Besoldungsgruppe A 10 bei brutto rund 3200 Euro Grundgehalt pro Monat (gegebenenfalls plus Zuschläge, etwa für Kinder).

Die Einstiegsgehälter reichen über den höheren technischen Dienst (A 13, Erfahrungsstufe 1) mit rund 4600 Euro bis zum höheren technischen Verwaltungsdienst (A 16, Stufe 8) mit etwa 8000 Euro. Besonders gefragte Experten können zudem die „außertarifliche Fachkräftezulage“ erhalten. Der Bonus beläuft sich auf monatlich bis zu 1000 Euro. Er wurde zum Beispiel in der Stellenausschreibung für die oben genannte Cyber-IT-Spezialistin im höheren technischen Dienst angeboten und soll helfen, externe Fachkräfte für die Truppe zu gewinnen.

Mit jeder Beförderung und höheren Erfahrungsstufe steigt der Sold. Um zu veranschaulichen, wie eine Karriere über 15 Jahre hinweg verlaufen könnte, hat der Bundeswehrsprecher für eine Bauingenieurin im höheren technischen Dienst diese Laufbahn entworfen, jeweils ergänzt mit der Besoldungsgruppe (die genauen Beträge sind hier einsehbar):

• Referentin im Bereich Infrastruktur Bauen im Einsatz (beispielsweise Kosovo, Mali), A 13/14 BbesG (derzeit ab rund 4590/4720 Euo)

• Referentin im Bereich Liegenschaftsbetrieb im Inland, A 14

• Referentin im Bundesverteidigungsministerium, A15 (ab 5720 Euro)

• Referatsleitung Liegenschaftsbetrieb im Inland, A 16 (ab 6370 Euro)

• Referatsleitung im BMVg Infrastruktur im Inland, B 3 (ab 8920 Euro)

Die Besoldungsgruppe B deckt Spitzendienstposten im Bundesverteidigungsministerium und dessen Geschäftsbereich ab. Diese Spitzenposten reichen bis hin zur Besoldungsgruppe B 11 mit knapp 15.100 Euro brutto Grundgehalt pro Monat.

Karriere bei der Bundeswehr: Ingenieur, Jurist, Arzt

Im Zuge von Zeitenwende und Sondervermögen dürften neben IT-Spezialisten besonders auch Ingenieure bei der Bundeswehr gefragt sein. Sie begutachten beispielsweise Waffensysteme, begleiten die Entwicklung neuer Wehrtechnik oder entscheiden mit, welche Systeme künftig zum Einsatz kommen. Im Sommer 2022 wurden zudem Experten für die Fernmeldeaufklärung gesucht. Sie werten Signale aus, um beispielsweise Hinweise zur Lage in Krisengebieten liefern zu können.

MINT-Hochschulabsolventen kommen bei der Bundeswehr zudem in vielleicht weniger naheliegenden Berufen zum Einsatz. So suchte die Truppe zuletzt Feuerwehrleute im gehobenen Dienst. Bewerber erwartete eine 18-monatige Laufbahnausbildung zum Experten für Brandschutz und in der Regel nach einer dreijährigen Probezeit die Verbeamtung. Voraussetzung: Ein mit Bachelor oder Fachhochschuldiplom abgeschlossenes Studium in einem geeigneten technischen oder naturwissenschaftlichen Fachgebiet. Wer ein geowissenschaftliches Fachhochschul- oder Hochschulstudium abgeschlossen hatte, konnte sich als Offizierseiteneinsteiger als Geoinformationsspezialist bewerben. Aufgabenbeschreibung: „Je nach konkretem Arbeitsfeld analysieren Sie die Geologie von Landschaften oder Küstengebieten, werten meteorologische Daten aus und beraten Kommandobehörden oder Truppenteile. Ihre Expertise ist auch bei Auslandseinsätzen vor Ort zur Planung militärischer Operationen unersetzlich.“

Juristen kommen bei der Bundeswehr im höheren nichttechnischen Verwaltungsdienst des Bundes oder als Stabsoffizier Recht in der militärischen Laufbahn zum Einsatz. Die Tätigkeitsfelder umfassen Personalmanagement, internationale Vertragsgestaltung und die Beratung von Soldaten. Sanitätsoffiziere bildet die Bundeswehr zwar in der Regel selbst aus. „Gleichwohl bieten sich Ärzten und Ärztinnen auch nach Erhalt der Approbation oder eines Fachgebietsabschlusses interessante Karrieremöglichkeiten“, wirbt der Sprecher. Interessenten könnten sich weiterbilden lassen und im militärischen Bereich als Fliegerarzt, Schiffsärztin oder an Bundeswehrkrankenhäusern zum Einsatz kommen, mit der möglichen Beförderung zum Oberarzt oder Klinikdirektor. Stellen für zivile Ärzte gibt es zum Beispiel am Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin. Am häufigsten werden sie aber in einem der Karrierecenter der Bundeswehr eingesetzt.

Dort findet die sogenannte gesundheitliche Eignungsfeststellung statt. Der muss sich vor der Einstellung jeder Bewerber unterziehen, auch zivile Beschäftigte. Eine Sicherheitsüberprüfung ist hingegen nur für angehende Soldaten obligatorisch. Bei Zivilisten wird sie lediglich bei Tätigkeiten mit hohem Risiko verlangt, zum Beispiel im technischen Bereich.

Quelle: WiWo.de (22. Juli 2022)