50 Jahre Bond – Mit Schema F zum Erfolg

BondEs war der 5. Oktober 1962, als Sean Connery alias Geheimagent James Bond erstmals seinen Dienst aufnahm und mit “James Bond jagt Dr. No” eine der erfolgreichsten Filmreihen in der Kinogeschichte mitgründete. 2006 wagten die Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson dann einen radikalen Neubeginn, der sich ausgezahlt hat. Trotz aller Konkurrenz über die Jahrzehnte ist Bond obenauf und wird zweifellos in seinem 23. offiziellen Abenteuer in “Skyfall” ab 1. November wieder für volle Kassen sorgen.

Bond-Experte Siegfried Tesche (“Das große James-Bond-Lexikon”) verrät im Interview, was das Besondere an den 007-Filmen ist.

Frage: Herr Tesche, warum hat Bond so lange überlebt?

Siegfried Tesche: Man hat eine Art Formelfilm gefunden, der funktioniert und den man eigentlich immer wieder wiederholt. Es gibt nur minimale Abweichungen und wenn es größere Abweichungen gegeben hat, dann waren die Filme geschäftlich auch nicht so erfolgreich. Seit “Goldfinger” gibt es eine Struktur, die man nicht mehr unterbrochen hat.

Frage: Wie sieht die aus?

Tesche: Es fängt an mit einer Actionszene vor dem Film. James Bond kann die Zuschauer auf seine Seite ziehen und gleich eine gefährliche Situation überstehen. Dann gibt es den Vorspann mit dem typischen Schattenriss, den tanzenden Frauen und einem Titelsong. Dann gibt es den Auftrag, die erste Begegnung mit dem Bösewicht und mit einer Frau. Es folgen die zweite Begegnung mit dem Bösewicht, der zweite Kampf und die zweite Frau. Unterwegs gibt es meist einen Opfertod, dann wird in das Hauptquartier des Bösewichts eingedrungen, es geht ein bisschen was kaputt. Am Ende fliegen der Bösewicht oder sein Hauptquartier in die Luft und Bond hat eine Frau in den Armen.

Frage: Wie fanden Sie denn den Neustart mit “Casino Royale”?

Tesche: Ich war in mehrerlei Hinsicht total verwirrt und schockiert. Auf der einen Seite steht zwar “Casino Royale” drauf, es ist aber nicht “Casino Royale” von Ian Fleming drin. Dass Q und Miss Moneypenny fehlten, fand ich einen Fehler. Ich kann Herrn Craig noch immer nicht so viel abgewinnen. Für mich ist er zu prollig. Er erinnert mich stark an amerikanische Haudrauf-Typen. Der Stil, der Sarkasmus und die Ironie sind total verloren gegangen. Eine Reihe von Dialogen hat mir aber sehr gut gefallen.

Frage: Das unsichtbare Auto am Ende der Pierce-Brosnan-Ära war doch aber wirklich etwas dick aufgetragen.

Tesche: Bei „Die Another Day“ hat man auf Gigantomanie gesetzt und das ist nie richtig bei einem James-Bond-Film. Man sollte die Leute nicht mit Special Effects erschlagen, sondern mit einer intelligenten Geschichte überraschen. Schon bei „Moonraker – Streng geheim“ haben alle gesagt: Das war ja sehr erfolgreich, aber was hat der Mann im Weltraum zu tun? Dann ist man auf den Boden der Tatsachen zurückgekommen und hat bei „In tödlicher Mission“ eine Kalte-Krieg-Geschichte erzählt. Was mich bei „Casino Royale“ am meisten gestört hat: Ich kann doch einem Mann, den ich seit 1962 kenne, nicht sagen: Du musst dir jetzt deine Lizenz zum Töten verdienen. Das ist doch Quatsch.

Frage: Dann freuen Sie sich jetzt doch bestimmt über die Rückkehr von Q in „Skyfall“.

Tesche: Es wurde Zeit. Es gab schon viel Kritik bei „Leben und sterben lassen“, als es keinen Q gab und das wiederholt sich zu recht. Es wird noch einige Clous geben im neuen Film. Die will ich jetzt nicht verraten.

Frage: Kehrt etwa Moneypenny zurück?

Tesche: Ich werde zwei, drei Sachen leider für mich behalten.

Frage: Wird die Kinowelt 2062 das 100. Jubiläum von Bond feiern?

Tesche: Ja sicher. Absolut. Das geht so weiter. Frau Broccoli hat mal gesagt: Wir werden doch nicht ein Huhn aufgeben, das goldene Eier legt.

(manager-magazin online)

(Bild: CC ClaraDon)
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