„22 Jump Street“: Dick und Doof im Mega-Meta-Sequel

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„22 Jump Street“ ist die Fortsetzung von „21 Jump Street“. Das ist Anlass genug für einen zweistündigen Metaebenen-Witz, der den Vorgänger wie eine norwegische Low-Budget-Produktion aussehen lässt.


Action-Sequels à la Hollywood sind meist weniger Fortsetzungen denn Remakes mit größeren Knarren, heißeren Bräuten und schnelleren Schlitten. Dieses platte Prinzip geldgieriger Filmstudios haben sich die Regisseure Phil Lord und Chris Miller enthusiastisch zu eigen gemacht und bei „22 Jump Street“ ordentlich an der Budget-Schraube gedreht. Musste Ice Cubes Einsatzleiter in Teil eins noch mit einer runtergekommenen koreanischen Kirche vorlieb nehmen, residiert er nun in einem futuristischen Glas-Büro in – Achtung: Meta-Witz – Würfelform. Meta ist denn auch das Schlüsselwort. Miller und Lord haben Hollywoods Sequel-Klischee in Reinkultur umgesetzt und machen sich darüber ständig lustig.

Ihrer Prämisse folgend haben sich die Regisseure gar nicht erst die Mühe gemacht, eine neue Geschichte zu finden. Die Chaos-Cops Jenko (Channing Tatum) und Schmidt (Jonah Hill) sollen nach ihrem letzten Einsatz an der Highschool wieder mal verdeckt einen Drogenring ausheben, dieses Mal wie am Ende von Teil eins angekündigt am College. Dass das ganz schön idiotisch ist, weil die Ermittler schon lange nicht mehr als Teenager durchgehen können – Tatum ist 34 Jahre alt, Hill 30 – wird selbstredend ständig thematisiert.

Der schöne Schein

Bei ihrer Undercover-Premiere war es entgegen aller Erwartungen Highschool-Loser Schmidt gewesen, der plötzlich Teil der coolen Truppe wurde, während Top-Athlet Jenko mit den Nerds Vorlieb nehmen musste.22JS_Hauptplakat_RZ_A4_300dpi_700

Beim Einsatz auf dem höheren Bildungsweg ist es nun ausgerechnet der intellektuell unterbelichtete Jenko, der aufblüht. Er steigt zufällig zum umjubelten Star des Football-Teams auf und findet in Mitspieler Zook (Wyatt Russell) einen Seelenverwandten. Jenko ist glücklich wie nie, sein Partner wird zunehmend ein Klotz am Bein. Dann spürt Schmidt eine heiße Spur zum Drogenboss The Ghost (Peter Stormare) auf und Jenko muss sich entscheiden, wer er wirklich sein will.

Die Handlung des Vorgängerfilms wird also im Grunde eins zu eins wiedergekäut, bis hin zum unfreiwilligen Drogentrip des Duos und dem Showdown-Hübschmachen vor dem Spiegel. Nur ist eben alles einige Nummern größer geraten. Das gilt nicht nur für Verfolgungsjagden und Schießorgien, sondern nach einer nur kurzzeitig erfolgreichen Radikaldiät auch wieder für Jonah Hills Klamotten. Schmidt und Jenko erinnern so mehr denn je an Dick und Doof.

Derbst ironisch

Lord und Miller inszenieren „22 Jump Street“ wie ein zweistündiges ironisches Augenzwinkern. Ob die sehr viel derberen Witze auf Dauer beim Zuschauer zünden, bleibt aber sehr eine Frage des persönlichen Geschmacks. Das Regie-Duo hatte sich nach dem Animationsfilm „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ mit „21 Jump Street“ erstmals an einen Spielfilm gewagt. Seit dem Überraschungserfolg mit dem grandiosen „The Lego Movie“ – bei dem Hill und Tatum Green Lantern und Superman ihre Stimmen geliehen hatten – gehören die Enddreißiger zu den begehrtesten Regisseuren in Hollywood.

Das wird sich mit „22 Jump Street“ nicht ändern. Die Komödie hat bislang weltweit 260 Millionen US-Dollar eingespielt und damit schon vor dem Start in Deutschland den Vorgänger überflügelt. Ein dritter Teil dürfte damit gewiss sein und die Macher sind vorbereitet. Nicht nur wird in der Jump Street bereits eifrig an Nummer 23 gebaut. Im Abspann exerzieren Lord und Miller nahezu alle vorstellbaren Undercover-Einsatzorte für Fortsetzungen durch. Dabei landen sie den gelungensten Meta-Witz des ganzen Films: In einer Version wird Jonah Hill durch Seth Rogen ersetzt. Und niemandem fällt es auf.

„22 Jump Street“ läuft am 31. Juli 2014 in Deutschland an.

Filmkritik bei n-tv.de

(Bilder: Sony Pictures)

 

 

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