Expelliarmus! Riddikulus! Lumos!: J.K. Rowling wird 50 und streitet voran

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Ihre beste Zeit schien hinter J.K. Rowling zu liegen. Pünktlich zu ihrem 50. Geburtstag aber startet die Schöpferin von Harry Potter noch einmal durch. Ob auf Twitter, der Theaterbühne oder erneut im Kino: Die streitbare Erfolgsautorin ist wieder auf den magischen Geschmack gekommen.


Mit 41 Jahren hatte J.K. Rowling hunderte Millionen von Büchern verkauft und schien doch irgendwie am Ende zu sein. Mit dem Verkaufsstart des siebten und letzten Harry-Potter-Buchs am 21. Juli 2007 ging eine literarische Erfolgsgeschichte ohnegleichen zu Ende. Die alleinerziehende, depressive Engländerin auf Sozialhilfe hatte mit der Geschichte des zum tragischen Helden erkorenen Zauberschülers eine Welt erschaffen, die kleine Kinder wie Rentner zu fanatischen Leseratten machte. Dann war das selbst gesteckte Ende erreicht. Statt der erwarteten Existenz als graue und weitgehend verstummte Eminenz hat sich Rowling zu einer lautstarken Verfechterin ihrer Anliegen entwickelt. Und zu ihrem 50. Geburtstag am 31. Juli – übrigens auch Harry Potters Ehrentag – taucht Rowling erneut ganz tief in ihre magische Schöpfung ein.

Kaum ein Künstler hat derart viele Menschen aller Altersgruppen berührt wie Rowling. Ihre Bücher verkauften sich seit dem Debüt „Harry Potter und der Stein der Weisen“ 1997 mehr als 450 Millionen Mal. Die Verfilmungen haben weltweit knapp acht Milliarden US-Dollar eingespielt und sind nach sämtlichen Filmen aus dem Marvel-Comicuniversum das zweiterfolgreichste Kino-Franchise der Geschichte. Abseits der puren Berieselungsmaschinerie und Debatten über literarisches Können oder Unvermögen verbindet viele Leser eine tiefe, persönliche Beziehung mit der Autorin.

Zauberwelt voller Grauen und Tod

Das liegt auch an den bemerkenswert düsteren Themen. Unter dem Schleier aus magischen Naschereien, fliegenden Besen und tumben Muggeln liegt eine Geschichte aus schmerzhafter Sehnsucht und abgrundtiefem Leid. Vom emotional misshandelten Waisenkind im ersten Buch bis zum Massaker des Finales erzählt Rowling die Geschichte eines vom Schicksal erwählten Außenseiters, der in der Akzeptanz seines Opfertods Erlösung und Triumph findet. Helden sind auch mal Feiglinge und das abgrundtief Böse wird von guten Menschen miterschaffen. Rowling – die selbst nicht an das Schicksal glaubt – hat ihre Welt in Grautönen weit weg von Fifty Shades gezeichnet. Der frühe Tod der Mutter, die Furcht vor dem Vater, der eigene Kampf gegen Depressionen schlagen sich in der Geschichte von Harry, Ron und Hermine nieder.

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Mit „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ schien vor acht Jahren die Beziehung zwischen Fans und Autorin weitgehend beendet zu sein. Vor allem dank Twitter trägt Rowling aber den Geist ihrer Bücher hinüber in die reale Welt und erweist sich als eine der gewichtigsten Stimmen in dem sozialen Netzwerk. Kurz vor ihrem 50. Geburtstag hat Rowling die Marke von fünf Millionen Abonnenten überschritten. Die pure Zahl der Follower ist nicht der einzige Grund, warum sie kürzlich vom US-Magazin „Time“ unter die 30 einflussreichsten Menschen im Internet gewählt wurde.

In Hogwarts ist jeder willkommen

Fans können sich regelmäßig über informative Schmankerl aus dem Potter-Universum freuen, die oft auch die Gesinnung dessen Erschafferin verdeutlichen. Etwa, dass das Zauberinternat Hogwarts selbstverständlich keine Schulgebühren nimmt und dort hetero-, homo-, trans- oder bisexuelle Kinder fröhlich miteinander leben. Eine Leserin schrieb, sie könne sich den weisen Schuldirektor Albus Dumbledore einfach nicht als schwul vorstellen. „Vielleicht weil schwule Menschen einfach aussehen wie … Menschen?“ schrieb Rowling in einer mehr als 30.000-Mal favorisierten Antwort.

Die Autorin feuert Tweets ab wie Zaubersprüche und entwaffnet (Expelliarmus!) oder macht lächerlich (Riddikulus!). Die in Edinburgh lebende Gegnerin einer schottischen Unabhängigkeit legt sich mit Internet-Trollen an, christlich-fundamentalistischen Schwulen-Hassern oder auch Medien-Mogul Rupert Murdoch, als der Muslimen eine Mitverantwortung an den Taten islamistischer Terroristen zuwies. Rowling schießt mal übers Ziel hinaus, geht aber meist als moralische Siegerin aus ihren Gefechten hervor. Ab und zu bringt sie auch Licht ins Dunkel (Lumos!).

Als im Mai ein offenbar vom Leben tief enttäuschter Fan fragte, warum man nicht einfach aufgeben solle, antwortete Rowling mit gleich drei inspirierenden Fotos, darunter der Milchstraße am nächtlichen Firmament und schrieb dazu: „Ich würde sagen: Schau dir das an“.

Rückkehr zu den Ursprüngen

Nach zwei Büchern für ein ausschließlich erwachsenes Publikum kehrt Rowling gerade wieder direkt ins Zentrum ihres Potter-Universums zurück. Sie verfasst zum ersten Mal selbst das Drehbuch zur Verfilmung eines ihrer Bücher. „Fantastic Beasts and Where to Find Them“ spielt 70 Jahre vor den Potter-Geschichten und dreht sich um den Tierforscher Newt Scamander (Eddie Redmayne). Debüt der geplanten Trilogie ist am 18. November 2016.

Im Sommer desselben Jahres feiert das Theaterstück „Harry Potter and the Cursed Child“ Weltpremiere in London. Ko-Autorin Rowling hält sich zum Inhalt noch bedeckt, verspricht aber einen bislang unbekannten Teil aus Harrys Leben.

Diese neuen Aktivitäten nähren die Hoffnung von Fans, Rowling könne irgendwann doch noch einen weiteren Potter-Roman schreiben. Das hat die mit einem Mediziner verheiratete Mutter dreier Kinder zwar in der Vergangenheit nie ausgeschlossen, aber weitgehend ins Reich der Fiktion verwiesen. Doch dort macht Rowling bekanntlich ihre eigenen Regeln.

Quelle: n-tv.de

Bilder: jkwroling.com; CC/Flickr/Daniel Ogren

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