Wo bleibt mein Replikator? Wie „Star Trek“ die digitale Welt veränderte

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Handy, Sprachbefehle, virtuelle Realität, künstliche Intelligenz: Unser Leben nähert sich dem auf der Enterprise an. Schließlich war die Kult-Serie, die 50. Geburtstag feiert, oft Inspiration für Innovationen. Aber was ist mit Replikator und Beamen?


Nicht nur Fans im Rentenalter erinnern sich, wie unglaublich futuristisch „Star Trek“ früher aussah. Während wir womöglich noch vor einem Schwarz-weiß-Fernseher ohne Fernbedienung saßen, düsten da Forscher mit hauchdünnen Computern in der Hand und einem vom Replikator zubereiteten Frühstück auf dem Tisch schneller als das Licht neuen Abenteuern entgegen. Auch dank Gene Roddenberrys Kultserie, die am Donnerstag 50. Geburtstag feiert, sind wir in vielen Bereichen auf dem Weg zu dieser Utopie. Allerdings auf manchen Gebieten bei weitem nicht so schnell, wie sich das viele Trekkies und Trekker wünschen würden.

Während „Star Wars“ vor allem was fürs Herz ist, hat „Star Trek“ immer auch den Forschergeist und -drang seiner Zuschauer angefacht. Da war es nur logisch, dass es Erfindungen irgendwann vom Bildschirm in die Realität schafften. Ein Klassiker der „Star Trek“-Technikgeschichte ist das Klapphandy. Für das erste jemals verkaufte Modell stand nämlich der Kommunikator Pate, den bereits Spock benutzt hatte. Motorolas ab 1996 verkauftes „StarTac“ machte den Nutzer auch mit der Vibrationsfunktion vertraut und verhalf dem Telefon für unterwegs zum endgültigen Durchbruch.

Selbstbedienungsladen und Spielplatz

Neben weiteren Erfindungen aus der Originalserie wie Uhuras „Bluetooth“-Headset war es vor allem die zweite Serie, „The Next Generation“, die die technologischen Möglichkeiten der Zukunft feierte. Dies war von Roddenberry ausdrücklich als Maxime für die USS Enterprise ausgegeben worden. Das Raumschiff selbst avancierte mit seinem Bordcomputer zum allgegenwärtigen „Darsteller“ der Serie. „Computer, Tee, Earl Grey, heiß“ – undenkbar, dass Captain Picard jemals einen Wasserkocher in die Hand nehmen würde. Die Enterprise war riesiger, wunderbarer Selbstbedienungsladen, Navigationsgerät, persönlicher Assistent und Koch, Smart Home und Spielplatz in einem.

Mit Tastaturen und Schaltern hielt man sich auf der Enterprise-D selten auf. Bei der Kommunikation mit der Technik stand das gesprochene Wort im Vordergrund. Heute machen sich digitale Assistenten von Apples Siri über Google Now und Google Home bis Amazon Echo daran, eine ähnlich umfassende Rolle in unserem Leben einzunehmen. Lange Zeit konnte man sich schon freuen, wenn das Handy simple Wörter nicht völlig missverstand. Dank großer Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz ist es mittlerweile immer besser in der Lage, eine Art „Unterhaltung“ mit uns zu führen, Sinnzusammenhänge zu verstehen und Schlüsse daraus zu ziehen.

Vielen ist es zwar gerade in Anwesenheit anderer Menschen noch unangenehm, mit dem Smartphone zu reden – eine Art von digitalem Schamgefühl, dass auf der Enterprise eher unter soziale Störung fallen würde und voraussichtlich mehr und mehr aussterben wird. Sehr viel mehr als Laptop und Tablet, die Computern aus „Star Trek“ nachempfunden wurden, könnte die sprachbasierte und damit völlig natürlich in unseren Alltag integrierte Interaktion mit digitalen Diensten unser Leben nachhaltig verändern.

Damit würde ein Traum des Suchmaschinen-Pioniers Amit Singhal wahr. Er hat maßgeblich zur Vormachtstellung Googles beigetragen und ist ein glühender „Star Trek“-Fan. Im Brief zu seinem Abschied von Google im Februar 2016 würdigte Singhal die Serie gleich mehrfach. „Wer hätte sich vorstellen können, dass wir nach einer kurzen Zeitspanne von 15 Jahren einen Knopf betätigen, Google irgendetwas fragen und eine Antwort erhalten. Heute ist dies für uns völlig alltäglich“, schrieb er. „Mein Traum-‚Star Trek‘-Computer wird Realität und er ist sehr viel besser, als ich es mir je vorgestellt habe.“

Maschine oder Mensch?

Apropos künstliche Intelligenz: Ein großer Reiz von „Star Trek“ liegt nicht nur in der realitätsgebundenen Vorstellungskraft, was für technische Errungenschaften zukünftig unser Leben bereichern könnten. Es wurde auch immer wieder die Frage aufgeworfen, ob Maschinen uns irgendwann so ähnlich sein könnten, dass die Unterschiede zwischen ihnen und Menschen verschwimmen. Denn letztlich war nicht der Bordcomputer die perfekte Maschine, sondern die von Ingenieuren erschaffenen Crewmitglieder wie der Android Data oder der holografische Doktor der Voyager, aber auch Sherlock Holmes Gegenspieler Moriarty.

Von der überlegenen Rechenkraft der „Computerwesen“ bekam die Welt im März 2016 einen ersten Vorgeschmack, als Googles künstliche Intelligenz AlphaGo den Go-Meister Lee Sedol schlug. Aber um auf dem Boden zu bleiben: Bei „Star Trek“ sind nicht unbedingt Tech-Propheten am Werken. Vielmehr war das minimalistische Design etwa der Tablet-ähnlichen PADDs oder die immer noch modern wirkenden Touch-Kontrolldisplays schlichtweg dem Umstand geschuldet, dass das Budget für aufwändige Geräte mit vielen Knöpfen nicht ausreichte.

Klapphandys liegen für die meisten von uns schon lange in der Vergangenheit. Doch auf andere Versprechungen aus dem „Star Trek“-Alpha-Quadranten warten wir immer noch. Virtual-Reality-Brillen mögen zwar Geordis Visor ähnlich sehen. Sie sind allerdings ein noch bescheidener erster Schritt in Richtung Holodeck, auf dem zu Übungs- oder Erholungszwecken jede erdenkliche Umgebung erschaffen werden kann. Ebenfalls ein Traum sind noch die Replikatoren der Enterprise, die alles, was man nur brauchen könnte, im Handumdrehen herstellen – seien es Bauteile, Bekleidung, frische Blumen oder auch Speisen. 3D-Drucker sind ein erster Schritt und auch Hamburger wurden bereits in Petrischalen „gezüchtet“. Auf die prompte Erfüllung des Wunsches „Tee, Earl Grey, heiß“ müssen wir aber noch eine Weile warten, vom mehrgängigen Abendessen ganz zu schweigen.

Unendliche Weiten

Wenn sich Roddenberry an Albert Einsteins Prämisse gehalten hätte, dass sich nichts schneller bewegen kann als das Licht, wäre die Erforschung der unendlichen Weiten des Weltraums eine für die Zuschauer ziemlich langweilige Angelegenheit geworden. Dank Warp-Antrieb reist die Enterprise im sogenannten Subraum mit Überlichtgeschwindigkeit. Auch in „Star Wars“ wird dieses praktische Konzept in Form des Hyperraums seit den Anfängen genutzt. Hier existieren allerdings feste Routen, die es zu navigieren gilt. Wir hingegen dürfen uns nicht einmal auf Reisen bei Lichtgeschwindigkeit freuen. „Es gibt viele ‚absurde‘ Theorien, die dank wissenschaftlicher Forschung Realität wurden. Aber Warp-Antrieb bleibt in der nahen Zukunft ein Traum“, enttäuschte die NASA im vergangenen Jahr „Star Trek“-Fans.

Ähnlich illusorisch sind noch Vorstellungen vom Beamen, das mit einem Schlag sämtliche Transport- und viele Umweltprobleme beseitigen würde. „Wir haben keine Ahnung, wie wir ein Gerät wie den Transporter tatsächlich bauen könnten“, räumte David Allen Batchelor vom NASA Goddard Space Flight Center jüngst ein. „Warum fällt nicht alles auseinander, wenn ein Windhauch oder einfach normale Schwerkraft die rematerialisierten Atome stört? Nichts in der Physik von heute gibt einen Hinweis drauf, wie das möglich sein sollte.“ Lediglich einzelne Atome und Photonen haben Forscher bislang teleportiert.

Aber grämen wir uns nicht. Zu Zeiten von Warp-Antrieb-Erfinder Zefram Cochrane war die Erde technologisch noch weit rückständiger als wir es sind. Wer weiß, was wir beim ersten Kontakt mit Aliens so alles aufzuwarten haben.

Quelle: n-tv.de

Bild: Twitter/StarTrek

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