Superheld mit Krallen und Eiern

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Wolverine tritt ab – und das mit einem Film für alte Säcke, bockige Mädchen und alle, die das animierte Geschwurbel der Avengers mächtig anödet. Ein fast schon analoger Superhelden-Film mit Blut, Herz und Eiern: Danke, Hugh Jackman.


Wolverine ist am Arsch. Ja, das darf man so sagen. Denn der Supermutant nimmt bei seiner Abschiedsvorstellung ebenfalls kein Blatt vor den Mund. Hugh Jackman flucht nicht nur, dass es ein Fest ist. Er vergräbt seine Adamantium-überzogenen Krallen auch mit Vorliebe tief im Hirn seiner Gegner. Und davon gibt es in „Logan“ viele. Das Ganze spielt sich meist im Beisein eines kleinen Mädchens ab. Doch das übertrifft in seiner Meuchellust sogar noch den geriatrischen Superhelden. Während der X-Man sich hustend und humpelnd seinem Ende entgegen schleppt und dabei zum ersten Mal so richtig glücklich ist, geht dem Zuschauer das Herz auf: So berührend und mitreißend kann ein Marvel-Film auch sein.

Man mag zu Hugh Jackman stehen, wie man will: Der Mann hat Format. Er und Regisseur James Mangold hatten eine genaue Vorstellung, wie sich der seit mittlerweile 17 Jahren von Jackman verkörperte Wolverine vom Publikum verabschieden soll. Diese Pläne aber kollidierten natürlich mit denen des Filmstudios Fox und des Marvel-Mutterkonzerns Disney. Die wollten „Logan“, wie schon sämtliche Marvel-Filme zuvor, mit der vermeintlich kinderlieben Altersfreigabe PG-13 veröffentlichen.“ Dieses Rating, dank dem theoretisch schon Grundschüler „The Suicide Squad“ sehen dürften, erlaubt das größtmögliche Publikum und damit maximalen Gewinn. Geschlachtet werden darf selbstredend. Nur Blut und mehr als ein „Fuck“ erlauben die US-Sittenwächter eben nicht.

logan_twentieth-century-fox-sebastian-gabschBild: Twentieth Century Fox / Sebastian Gabsch

Ein hoher Preis für Fluchen und Bluten

Also griff Jackman in die eigene Tasche. Er verzichtete laut Mangold auf einen Teil seiner Gage (man darf vermuten, einen sehr erheblichen Batzen) und erkaufte damit vom Studio die Zustimmung zum R-Rating. Das schreibt vor, dass Besucher unter 17 Jahren von einem Erwachsenen begleitet werden müssen und galt bislang als finanzieller Todesstoß für angehende Blockbuster – jedenfalls bis zum Erfolg von „Deadpool“, aber das ist eine andere Geschichte. In Deutschland ist „Logan“ übrigens ab 16 Jahren freigegeben. Die Investition hat sich für die Fans gelohnt. Denn Jackman hat das Allerbeste aus seiner Chance gemacht.

Die Titelsequenz läuft noch über die Leinwand, da hat Wolverine schon den ersten Haufen teilamputierte Opfer produziert. Eigentlich will der geschundene Mutant nur seine Ruhe haben. Aber was soll er machen, wenn ihm brutale Autodiebe die Limousine klauen wollen? Wir schreiben das Jahr 2029. Die X-Men sind eine blasse Erinnerung, seit 25 Jahren wurde kein Mutant mehr geboren. Logan fristet ein trauriges Dasein als Chauffeur, während er den geistig umnachteten Professor X (Patrick Stewart) in einem verrosteten Silo von der Außenwelt abschirmt.

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Dann sitzt plötzlich ein charmanter Killer mit Roboterhand auf der Rückbank. Donald Pierce (Boyd Holbrook) arbeitet für das mächtige Unternehmen Transigen, das Mutanten als Waffen züchtet. Pierce sucht ein entlaufenes kleines Mädchen, das ebenfalls mit Metallklauen ausgestattet wurde. Das landet kurz darauf in der Obhut des extrem widerwilligen Eigenbrödlers. Nicht nur ist Laura alias X-23 (die großartige Entdeckung Dafne Keen) stumm und bockig. Wenn sie nicht gerade eine Horde bis an die Zähne bewaffneter Söldner kalt macht, klaut sie Snacks an der Tankstelle oder traktiert das Elektro-Schaukelpferd auf dem Parkplatz, wenn das Geld alle ist.

Logan, Laura und Professor X machen sich auf die Flucht. Zum Erstaunen aller drei kommt sich die dysfunktionale Kleinfamilie während des Road Trips näher. Aber Wolverines Tage sind gezählt und da fehlen ihm Xaviers Anspielungen gerade noch, dass ihn und Laura sehr viel mehr verbindet als ihre Klauen. Der müde Mutant hätte einfach nur gern seine Ruhe, aber das Flüchten und Kämpfen nehmen kein Ende. Bis Logan die mutigste Entscheidung seines Lebens trifft.

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Gewalt mit Folgen

17 Jahre nach seinem ersten Auftritt in „X-Men“ gelingt Jackman ein Abschied mit Würde, Integrität und aufrichtig empfundenem Gefühl. Keine Frage, „Logan“ ist ein sehr brutaler Film. Aber irgendwie wirkt dieses Schlachtfest mit spritzendem Blut und klaffenden Wunden doch viel ehrlicher als das antiseptische Bombastgemetzel der kastrierten PG-13-Superhelden. Hier wird noch richtig gestorben, viele gute Menschen (und Mutanten) sterben und ihr Verlust hinterlässt Spuren. Je weiter die Flucht Logan und seine kleine Familie hinaus aus den Städten und hinein in die Western-Weite des amerikanischen Herzlandes führt, desto weniger futuristisch wird ihr Fluchtauto und desto größer die Erkenntnis: Allein kannst du das nicht schaffen.

Zwar ist „Logan“ als Jackmans endgültiger Abschied als Wolverine gedacht – schließlich ist der Australier schon 48 Jahre alt und Marvel hätte sicherlich nichts gegen das x-te Reboot. Allerdings wurde zuletzt gemunkelt, der haarige Mutant und der versaute Söldner Deadpool könnten in Zukunft mal gemeinsame Sache machen. Das hätte sicher was. Dennoch bleibt zu hoffen, dass Jackman der Verlockung widersteht und Wort hält. Dafür ist das Ende von „Logan“ einfach zu perfekt.

„Logan – The Wolverine“ läuft ab 2. März in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

Bilder: Twentieth Century Fox

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