„It: Chapter 2“: Ende mit wenig Schrecken

rev-1-IT2-26273r_High_Res_JPEG„Neue Zürcher Zeitung“: Andy Muschietti bringt seine Verfilmung von Stephen Kings Roman werkgetreu zum Abschluss – und erinnert daran, wie bizarr das Buch streckenweise war.


Der Hass ist nach Derry zurückgekehrt. Der bestialische Tod eines schwulen Mannes ist für Mike Hanlon (Isaiah Mustafa) das letzte Zeichen, einen 27 Jahre alten Eid einzufordern. Ausser ihm haben alle Mitglieder des „Clubs der Verlierer“ nach dem Etappensieg gegen den Horrorclown (Bill Skarsgård) die Kleinstadt verlassen. Jeder wurde mit beruflichem Erfolg belohnt. Nun aber ist Pennywise aus dem Winterschlaf erwacht. Die beherzten Kämpfer von einst müssen ihr Versprechen einlösen, den Inbegriff des Bösen dieses Mal endgültig zu stoppen.

Doch abgesehen von Mike erinnert sich niemand wirklich daran, was damals geschehen ist. Die räumliche Entfernung zu Derry hat eine Amnesie verursacht, die nur allmählich weicht. Vieles ist beim Alten geblieben: Ben (James McAvoy) ist der ruhige Anführer, Beverly (Jessica Chastain) das Herz der Truppe, der Romantiker Ben (Jay Ryan) unsterblich in sie verliebt, Eddie (James Ransone) der ewige Hypochonder, Richie (Bill Hader) hat stets einen sarkastischen Spruch parat. Aber ein Mitglied fehlt, die starken Bande haben sich gelöst. Und „Es“ scheint mächtiger denn je. Erneut wagen sich die Freunde in den Untergrund von Derry. Dort erwartet sie ein Kampf, der nicht von dieser Welt sein wird.

„It“ schreibt Horrorgeschichte

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31 Jahre lang mussten Fans von Stephen Kings Roman auf eine Kinoverfilmung warten. Der erste Teil von „It“ wurde im September 2017 dem Kultstatus der Vorlage gerecht. Regisseur Andrés „Andy“ Muschietti gelang in den USA das beste Startwochenende eines Horrorfilms aller Zeiten. Das weltweite Einspielergebnis von rund 700 Millionen US-Dollar machte „It“ zu einem der erfolgreichsten Filme mit der strikten US-Altersfreigabe R – hinter den beiden „Deadpool“-Filmen, „The Matrix Reloaded“ und vor Wolverines Abgesang in „Logan“.

Die Fortsetzung war von Anfang an beschlossene Sache. Sie ist in mehrfacher Hinsicht die bessere „It“-Adaption. Der Vorgänger hatte sich ausschliesslich den Kindern gewidmet. Nun werden wie im Buch die beiden Zeitebenen verflochten, wenn auch der Fokus auf den Erwachsenen liegt. Ihre unterschiedlichen Charaktere sind jetzt sehr viel besser herausgearbeitet. Das bedeutet zwangsläufig, dass Chastain und McAvoy zwar die grössten Namen auf der Besetzungsliste sind, ihre Figuren die Mitstreiter aber nicht länger in den Schatten stellen. Das gelingt am ehesten sogar „Saturday Night Live“-Komiker Bill Hader, der sich als echter Gewinn für das Ensemble erweist.

Irre Geschichte aus dem Multiversum

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„It: Chapter 2“ zeigt aber auch, warum sich zuvor kein Filmstudio an die Adaption gewagt hat. Das lag nicht nur an der epischen Länge der über 1000 Seiten starken Vorlage. Selbst Fans des Buchs mögen vergessen haben, welch bizarre Wendungen die Geschichte nimmt. Pennywise ist nicht einfach ein Monster. King macht ihn zur irdischen Manifestation einer kosmischen Macht. Deren Gegenspieler ist eine Weltenschöpfer-Schildkröte namens Maturin, die im Roman-bergreifenden Multiversum des Autors eine wichtige Rolle spielt.

Muschietti streicht die Mythologie stark zusammen. Das war nötig, lässt einige Aspekte ohne Kontext aber noch skurriler erscheinen. „It“ gerät streckenweise zu einer Mischung aus „Alien“-Ästhetik und „Geschichten aus der Gruft“-Figuren. Der Horror, der im Hassverbrechen zu Beginn noch aus jeder Pore des Films quoll, erschöpft sich mit der Zeit. Vielleicht hätte der Geist des Romans nach so langer Zeit eine radikale, freiere Adaption verdient. Die kommt ja aber womöglich noch. Bis dahin bleibt den Fans eine befriedigende Kinofassung, die unter den King-Verfilmungen eher ins Lager von „The Shawshank Redemption“ als „The Lawnmower Man“ gehört.

Quelle: NZZ.ch / „Neue Zürcher Zeitung“ (5. September 2019)

Bilder: © Brooke Palmer / 2019 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.

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