Nackte Supermodels in Serie: Russell James fotografiert Frauen für Frauen

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Etliche der schönsten Frauen der Welt haben sich für Russell James entblättert. Viele davon hat der Fotograf in den vergangenen 15 Jahren während seiner Arbeit für den US-Dessoushersteller Victoria’s Secret kennengelernt. Dessen Models werden gern als „Engel“ bezeichnet und auch die Ausstellung des Australiers trägt den Titel „Angels“.

Allerdings haben die von ihm über die Jahre hinweg abgelichteten Schönheiten wie Candice Swanepoel, Behati Prinsloo oder auch Rihanna meist noch nicht mal Unterwäsche an. Eine Auswahl teils noch nie gezeigter Aufnahmen ist jetzt in der Berliner Galerie Camera Work zu sehen. Damit wird die „Angels“-Sammlung erstmals in Europa ausgestellt. Der 52-jährige James sprach mit n-tv.de über den Reiz der Nacktheit, was seine Arbeit von Fotos in Männermagazinen unterscheidet und wie Kendall Jenner in der genetischen Lotterie abschneidet.

n-tv.de: Mal im Ernst – werden Sie es nicht auch mal überdrüssig, nackte Frauen zu fotografieren?

Russell James: Ganz ehrlich? Absolut. Ich liebe Aktaufnahmen – einer meiner großen Helden ist Irving Penn. Ich fotografiere aber auch mit Vorliebe indigene Kulturen, Stillleben, Landschaften, Mode. Bin ich auf ein Thema konzentriert, kann ich an nichts anderes denken. Das ist fast wie eine Zwangsstörung. Dann aber muss ich es irgendwann loslassen.

Was genau fasziniert Sie an Aktbildern?

Für mich ist es immer eine Herausforderung. Denn ich möchte, dass das Model das Foto aufrichtig liebt. Ansonsten veröffentliche ich es nicht. Es ist wahnsinnig einfach, für Männermagazine zu fotografieren. Es ist sehr schwer, Frauen für Frauen oder für sich selbst zu fotografieren. Ich hoffe, dass die „Angels“-Bilder für Frauen nicht anstößig sind, sondern dass sie in ihnen Schönheit erkennen. Natürlich ist das immer subjektiv und einige Menschen finden Nacktheit an sich bereits anrüchig. Aber grundsätzlich darf nie jemand zu einem Objekt degradiert werden, es geht immer um Zustimmung, vor allem bei solch intimen Aufnahmen. Für mich wäre es wie eine grobe Verletzung der Privatsphäre, wenn ich diese Bilder ohne ausdrückliche Zustimmung veröffentlichen würde.

Hat sich Ihr Geschmack und das, was Sie an einem Model reizt, über die Jahre hinweg verändert?

Ich sehe Schönheit in allen Dingen, auch im Gesicht eines 90-jährigen Mannes. Mich fasziniert an diesen Mädchen, dass jedes von ihnen das Voranschreiten der Zeit symbolisiert – zurückgehend bis zu Eva Herzigova und Gisele Bündchen. Die hatten natürlich einen massiven Einfluss auf die Branche, und dann weiter zu Kendall Jenner und ihrem Einfluss auf über 25 Millionen junge Frauen, die ihr folgen. Mir geht es um die Bedeutung, die diese Frauen zu einem bestimmten Zeitpunkt hatten und haben.

Sie haben Kim Kardashians Halbschwester mit den Aufnahmen zu ihrem Projekt „Nomad Two Worlds“ vor zwei Jahren zum Durchbruch verholfen.

Kendall ist auf mich zugekommen und sagte: „Ich möchte ernsthaft ein Model werden.“ Wir hatten ein sehr ehrliches Gespräch. Ich meinte zu ihr: „Angehende Models müssen erst eine Marke werden. Du bist schon eine Marke. Um ein Model zu werden, musst Du Dir ein neues Image zulegen, weil du bislang nur als Reality-TV-Star wahrgenommen wirst“. Kendall war dann sehr, sehr diszipliniert.

Wurden Sie wegen dieser Zusammenarbeit auch angefeindet?

Es gab Kritiker. Aber wenn man mal alles drumherum ignoriert: Als Kendall den Raum betrat, war mir klar: „Du kannst auf jeden Fall ein großartiges Model sein. Du hast einen Sechser in der genetischen Lotterie gelandet. Jetzt müssen wir herausfinden, ob du die Disziplin und die Professionalität besitzt“. Einige meinten: „Ach, das ist ein Reality Star, der seinen Ruhm ausnutzt, um ein Model zu werden“. Für mich war das Gegenteil der Fall: Ein wundervolles Model, das mit seiner schon vorhandenen Bekanntheit zurecht kommen muss.

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Was muss ein Model mitbringen, um Ihr Interesse zu wecken?

Etliche Leute kommen zu mir und meinen: „Ich will Model werden“. Und ich wäre gern Boxweltmeister im Schwergewicht. Da ist dann oft ein Realitätscheck angesagt. Zum Glück gibt es aber nicht mehr nur Stereotype. Heute kann ich bezüglich Herkunft und Figur sehr viel mehr unterschiedliche Menschen fotografieren. Und dann ist da noch der „It“-Faktor, wie man sich selbst darstellt. Einiges davon kann man lernen, einiges muss man mitbringen. Daneben ist auch die Arbeitsmoral entscheidend. Das sind nicht die 80er Jahre, wo man auch mal nicht auftauchen konnte. Die Mädchen heutzutage arbeiten 18, 20 Stunden am Tag. Sie sind wahre Athleten. Wegen der Bedeutung sozialer Medien müssen sie auch ständig präsent sein.

Haben Sie ein Ritual, wenn Sie mit einem neuen Model arbeiten?

Ich überstürze es nicht. Produktionstechnisch geht es bei einem Modeshooting sehr hektisch zu. Ich nehme mir die Zeit, die jeweilige Person wirklich kennen zu lernen und ein echtes Gespräch zu führen. Je mehr man in eine zwischenmenschliche Beziehung investiert, desto mehr bekommt man zurück und verfügt über eine wahre Basis für die gemeinsame Arbeit.

Haben Sie mit einigen Models auch Freundschaft geschlossen?

Absolut. Ich habe eine 23 Jahre und eine 13 Jahre alte Tochter. Daher profitiere ich auch stark von den Erfahrungen, die diese Frauen gemacht haben oder auch gerade noch machen. Ich verstehe den Druck, der auf jungen Frauen lastet. Wahrhaft erfolgreiche Models stehen unter enormen Druck. Meine 23-jährige Tochter kann ausgehen und sich auch mal daneben benehmen. Models hingegen werden gleich von 50 Leuten fotografiert und gefilmt.

Mit Russell James sprach Nina Jerzy

„Angels“ ist vom 25. April bis zum 6. Juni in Berlin bei CAMERA WORK zu sehen.

Quelle: n-tv.de

(Bilder: Instagram/NomadRJ)

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