Uwe Boll ist „der Mann fürs Grobe“ – Regisseur stellt sich mit seiner Bin-Laden/Bush-Satire „Postal“ gegen den guten Geschmack

uwe_bollDank Videospiel-Verfilmungen wie „House of the Dead“ und „Blood Rayne“ gilt Uwe Boll einigen Kritikern als schlechtester Regisseur der Welt. Der promovierte Literaturwissenschaftler aus Nordrhein-Westfalen reagierte darauf im vergangenen Jahr mit einer Einladung zu einem Boxkampf, bei dem er seine Kritiker k.o. schlug. Mit der blut- und fäkalaffinen Satire „Postal“, die am Donnerstag (18. Oktober) in die Kinos kommt, ist der nächste Skandal programmiert. In der Anfangssequenz ist der Angriff auf das World Trade Center zu sehen – allerdings verursachen ins Cockpit eindringende Passagiere versehentlich den Absturz des Flugzeugs. Radiosender hatten sich geweigert, einen Werbespot mit einem angeblichen Osama bin Laden auszustrahlen. Der Terrorist spielt in „Postal“ eine Hauptrolle und macht gemeinsame Sache mit US-Präsident George W. Bush. Mit Boll (42) sprach ddp-Korrespondentin Nina Jerzy in Berlin.

ddp: Herr Boll, haben Sie bereits Morddrohungen erhalten?

Boll: Nö, noch nicht. Nur die üblichen Morddrohungen, die ich kriege, seit ich „House of the Dead“ gedreht habe. Von daher ist es „business as usual“.

ddp: Das kommt ja vielleicht noch.

Boll: Deshalb habe ich den Film ja auch gemacht. Wenn jeder total happy wäre über den Film, dann hätte ich was verkehrt gemacht. Außerdem geht es nicht, dass wir Angst haben, Fundamentalisten zu kritisieren, weil wir dann denken: Vielleicht komme ich auf die Todesliste.

ddp: Sie haben gesagt „Schlimmer kann es in einer Karriere eh nicht mehr kommen, dann kann ich auch so einen Film drehen“. Wie meinten Sie das?

Boll: Schlimmer hätte es von den Kritiken her nach „Blood Rayne“ nicht mehr werden können. Mich dann hinzusetzen und das Drehbuch zu schreiben, was ich vorher lange nicht mehr gemacht hatte, war wie ein Befreiungsschlag. Deshalb ist der Film auch sehr edgy und aggressiv.

ddp: Sie haben für „Postal“ einige bekannte Schauspieler wie Seymour Cassell („Rushmore“) gewinnen können. Hatten die keine Angst, danach nie wieder in den USA Arbeit zu finden?

Boll: Die Agenturen haben alle gesagt: „Wir geben dir keine Schauspieler.“ Und dann kamen zum Casting bekannte Leute. Die meisten haben gesagt, sie sind gegen den Rat ihrer Agenten da, aber der Meinung, so etwas müsste jetzt mal gemacht werden.

ddp: In der „New York Post“ haben Angehörige von Opfern der Anschläge am 11. September 2001 ihren Film scharf kritisiert.

Boll: Die „New York Post“ hat denen ja nur einen 20 Sekunden langen Ausschnitt gezeigt. Ich glaube, für die Opfer des 11. September wäre es wichtig, sich den ganzen Film anzugucken. Ich habe in New York ein Screening gehabt. Und da war einer, dessen Vater beim 11. September umgekommen ist. Und er fand den Film gut, weil das, was aus dem 11. September in der Politik gemacht wurde, gar nichts mehr mit dem 11. September zu tun hatte. Die Opfer mussten herhalten, um den Irakkrieg zu rechtfertigen.

ddp: Sie haben allerdings gesagt, sie wollten den vielleicht beleidigendsten Film aller Zeiten drehen.

Boll: Ich wollte eben nicht – und deshalb ist der Film auch so mit Witzen unter der Gürtellinie bestückt – dass sich die Elite wohlig zurücklehnt und eine andere Bush-Satire sieht, wo aber keinerlei negative Emotionen hochkommen. Dass auch wirklich Leute aus dem Kino gehen, war mir wichtig.

ddp: Könnten Sie nicht mal eine schöne Komödie drehen?

Boll: Da bin ich unfähig. Ich bin gar nicht der riesen aggressive Typ, aber ich bin sehr direkt. Und mein persönlicher Geschmack ist auch eher hart. Man wird bei mir nicht irgendwelche Fellini-Filme in meiner Top-100 finden. Ich habe 15 Jahre geboxt, da ist man nur mit Voll-Assis zusammen. Ich bin eben eher der Mann fürs Grobe.

ddp: Und stolz drauf.

Boll. Ja. Der größte Fehler, den man machen kann, ist zu glauben, „Postal“ ist primitiv. Dass etwas unter der Gürtellinie ist oder gegen den persönlichen Geschmack, heißt nicht, dass es nicht intelligent sein kann. Ich glaube auch, dass „Postal“ mit Abstand mein bester Film ist. Es ist ein Film, für den es sich auch lohnt zu kämpfen.

Bild: Wikimedia Commons/Jeff Hitchcock/CC BY 2.0

 

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